Wohl überlegt und gut gereift: Dankesworte an den BSVÖ
Letzten September habe ich die silberne Ehrenmünze des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich, kurz BSVÖ, erhalten. Angemessene Dankesworte hätten die Menschen bei der Verleihung um ihre Mittagspause gebracht. Hier können Sie sie nachlesen, wenn, wann und wo sie wollen.
Ich gebe zu, ganz taufrisch ist diese Nachricht nicht mehr. Was für eine glückliche Fügung, passt sie doch damit hervorragend in die Reihe „Nichts Neues“. Aber genug schöngeredet, lassen Sie mich „Danke“ sagen.
Irgendwo muss ich anfangen
Und am besten mache ich das am Anfang. Der war, wenn wir vom BSVÖ, der damals noch ÖBSV hieß, und mir sprechen, vor mittlerweile fast 15 Jahren. Meine Einschulung bestand in den Worten: „Das ist Ihr Büro, machen Sie was draus.“ Wer hätte gedacht, dass ich das wirklich würde? Ich jedenfalls nicht.
Rückblickend habe ich tatsächlich einiges erreicht. Und das kann ich deshalb so schamlos unbescheiden sagen, weil es nicht nur mein Verdienst ist. Sicher, ich habe eine ziemlich unerschütterliche Leidenschaft mitgebracht, die ich gar nicht kleinreden möchte. Allein damit hätte ich aber nicht viel ausrichten können.
Gemeinsam geht‘s
Wenn ich während meiner Zeit beim BSVÖ erklärt habe, was ich eigentlich so mache, bin ich immer ziemlich schnell auf das GMI, das Gremium für Mobilität und Infrastruktur, zu sprechen gekommen. Warum? Ohne mein Team dort hätte ich im Grunde gar nichts machen können. Meine zentrale Aufgabe im BSVÖ bestand nämlich darin, zu vermitteln, was blinden Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen ermöglicht, mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Menschen ohne Behinderungen durchs Leben zu gehen. Aber woher hätte ich wissen sollen, worauf es dabei ankommt?
In meiner Ausbildung hatte ich kaum etwas darüber erfahren, selbst habe ich keine Sehbehinderung – und auch, wenn ich eine hätte, wüsste ich noch lange nicht, was andere Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit wollen und brauchen. Gut, so allgemeingültig konnten das die Kolleg:innen im GMI natürlich auch nicht. Aber ihre unterschiedlichen persönlichen und fachlichen Perspektiven und Erfahrungen und vor allem die Gemeinsamkeiten, die wir miteinander herausarbeiten konnten, haben es möglich gemacht, einiges besser greifbar zu machen und dementsprechend klar zu kommunizieren – zum Beispiel in der Normungsarbeit, bei der Beratung von Planer:innen und bei ganz vielen anderen Gelegenheiten.
Sicherer Hafen
Vertrauen ist etwas Schönes, aber es kann auch ganz schön viel Druck bedeuten, wenn sich Menschen, oder sogar eine ganze Organisation, darauf verlassen, dass man ihre Interessen in ihrem Sinne vertritt, und man in einem wichtigen Bereich mehr oder weniger allein dafür verantwortlich ist, Verbesserungen zu erreichen. Im BSVÖ wurde mir ganz viel Vertrauen entgegengebracht – mit den Jahren immer mehr. Und ich habe den Eindruck, ich habe es auch nicht verloren, als ich mich selbständig gemacht habe. Vertrauen vom GMI-Team, Vertrauen vom Präsidenten, Vertrauen von den Obleuten und – zumindest hoffe ich das – Vertrauen von den Mitgliedern, soweit sie mitbekommen haben, dass es mich gibt und was ich tue. Wie gesagt, so etwas bringt viel Verantwortung mit sich und ist mitunter belastend. In erster Linie hat es mir aber Rückhalt gegeben und die Möglichkeit, selbstbewusst aufzutreten. Das tut es bis heute und dafür bin ich unendlich dankbar.
Wie eine Familie
Teil einer Familie zu sein hat nicht nur gute Seiten – da erzähle ich Ihnen bestimmt nichts Neues. Es kann viel Sicherheit und Geborgenheit mit sich bringen, aber auch viele Verpflichtungen und das Gefühl, ihnen um jeden Preis nachkommen zu müssen. Beim BSVÖ, besonders in der Dachorganisation, ist es immer sehr familiär zugegangen. Ich habe das extrem geschätzt und finde es auch jetzt noch sehr wertvoll, dass ich – genau wie in meiner eigentlichen Familie – den Eindruck habe, auch lange, nachdem ich „ausgezogen“ bin, immer noch irgendwie dazugehöre.
Ich glaube, wenn man den BSVÖ nur von außen kennt, stellt man sich darunter einen riesigen Betrieb mit Unmengen an Personal und Ressourcen vor. Es ist mir ein Anliegen, dieses Bild sanft, aber bestimmt umzuwerfen. Und zwar nicht, um Ihre Vorstellung von der Bedeutung des BSVÖ zu schmälern, sondern ganz im Gegenteil.
Wenn Sie sich den BSVÖ vorstellen, sollten Sie an vergleichsweise wenige Menschen denken, die Tag für Tag alles geben. Manche sind angestellt, manche sind Mitglieder, manche beides. Manche bekommen für ihr Engagement Geld, viele engagieren sich komplett ehrenamtlich. Unabhängig davon gehen sie alle an ihre Grenzen und setzen sich für die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen unermüdlich und nach bestem Wissen und Gewissen ein. Kurzum: Sie alle verdienen eine Auszeichnung. Und wenn es keine Ehrenmünze ist, dann auf jeden Fall unser aller Anerkennung.
Kontakt und etwas zum Weiterlesen
Eigentlich habe ich mich selbständig gemacht, um hauptberuflich ausschließlich zu schreiben. Der BSVÖ gibt mir immer wieder Gelegenheit, über seine Kanäle Artikel zu verbreiten, sofern sie inhaltlich dazu passen. Nachdem ich mich nach wie vor doch viel mit Barrierefreiheit beschäftige, ist das meist gar nicht so schwierig. Anlässlich meiner Auszeichnung durfte ich in einem Interview für den „Durchblick“, der Verbandszeitung des BSVÖ, ein bisschen über Barrierefreiheit und die Entwicklungen in den letzten zehn Jahren plaudern. Auf der Webseite des BSVÖ können Sie die Ausgabe des „Durchblick“ mit dem Interview mit mir nachlesen.
Der heutige Artikel gibt zwar vielleicht keinen konkreten Anlass, aber natürlich freue ich mich immer, wenn Sie mit Fragen oder sonstigem per E-Mail Kontakt mit mir aufnehmen: do@wortklaviatur.at